Shoppen und geniessen im Erlebnisbahnhof.

Shoppen und geniessen im Erlebnisbahnhof.
1. Dezember 2016, Markus Streckeisen

Shoppen und geniessen im Erlebnisbahnhof.

Die Retail-und Gastro-Branche muss sich grossen Herausforderungen und der starken Konkurrenz der Online-Anbieter stellen. Kreativität und Innovationen sind mehr gefragt denn je. 

Das Swiss Council of Shopping Centers (SCSC) ist der nationale Interessenverband der einzelhandels-orientierten Gewerbeimmobilien und Shopping-Center-Branche. Bei dessen «Retailforum Switzerland» treffen sich einmal im Jahr Unternehmer, Führungskräfte und Spezialisten aus den Branchen Industrie, Retail- und Grosshandel, Marketing, Logistik und Shoppingcenter mit Architekten, Designern und Ladenbauern zum Austausch über Themen, die aktuell die Branche bewegen. Und davon gibt es viele.

Erlebnisbahnhof

Konsolidierung im Retail-Markt schreitet voran.

Als Leiter des Bereichs Bewirtschaftung bei SBB Immobilien war ich beim grössten und wichtigsten Schweizer Fachkongress für die Retail- und Shoppingcenter-Branche im Radisson Blu Hotel am Zurich-Airport dabei und kann hier aktuell über die neuesten Entwicklungen berichten. Multichanneling, Pop-up Stores, Mood Management oder «Leiseure and Entertainment», um nur einige der dort diskutierten Trends aufzuzählen, verlangen vom Handel nach neuen und innovativen Lösungen.

Im Non-Food-Sektor schreitet die Marktkonsolidierung weiter voran. Prominentestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist der Kauf des Modehauses Charles Vögele durch die italienische Kette OVS. Die Marktdaten für das Jahr 2016 zeigen im stationären Handel eine Umsatzstagnation, im Non-Food-Bereich sogar ein klares Minus. Thomas Hochreutener, Direktor Handel der GFK Suisse AG, prognostizierte zudem an der Veranstaltung eine weiterhin rasante Entwicklung der E-Commerceverkäufe bis zum Jahr 2022 und zwar einen «Zuwachs von drei Prozent im Food-Bereich und 21 Prozent im Non Food».

Alleine ein Online-Riese wie Amazon erreicht ungebremstes Wachstum mit immer neuen Konzepten und Angeboten wie «Amazon Prime» oder «Amazon Fresh» oder dem sprachbasierten Einkaufsassistenten «Amazon Echo». Das verlangt vom stationären Handel neue Konzepte – zugeschnitten auf eine webaffine Zielgruppe, die im Laden das besondere Einkaufserlebnis sucht. Mein Fazit: Wer heute nicht in Ladenbau investiert und Erlebniswelten für seine Kunden schafft, verliert auf Dauer deutlich. Bestraft wird durch die Kunden sicher auch, wer keine Dualität zwischen physischen und digitalen Informations- und Verkaufskanälen anbieten kann.

Keine Grenzen zwischen Retail und Gastronomie.

In rasantem Tempo verschwimmen die Grenzen zwischen Retail und Gastronomie und zwischen On- und Offline immer mehr. Denn die Integration von gastronomischen Angeboten in den konventionellen Handel erhöht neben der Frequenz vor allem auch die Verweildauer der Kunden im Geschäft. Währenddessen verlangen immer neue Reservierungs-, Bestell- und Bezahlsysteme, innovative Lieferangebote und Ernährungstrends sowie veränderte Ess- und Lebensgewohnheiten eine neue Orientierung in der klassischen Gastronomie.

Ich gehe davon aus, dass innovative Gastrokonzepte deshalb auch noch stärker zum Imagefaktor für Immobilienstandorte werden. Wie solche modernen Konzepte auch die Bahnhöfe als Standorte aufwerten, zeigen die Beispiele Luzern oder Winterthur, aber auch das Bahnhofsumfeld wie Zürich Europaallee. Sie sind bereits heute mehr als nur moderne Reisezentren und Verkehrsknotenpunkte. Mit ihrem gelungenen internationalen Mix von Einkaufen und Geniessen ziehen sie nicht nur Reisende an, sondern auch Menschen, die flanieren, sich treffen und gut essen wollen.

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Voll im Trend: Gastro-Treffpunkt Bahnhof.

Ein Beispiel, wie sich Zeitgeist und modernes Gastrokonzept im Bahnhof zu etwas ganz Neuem verbinden, ist «Tibits». Das vegetarisch-vegane Restaurant und Bar ist bereits in einigen Bahnstandorten angesiedelt und wird nun auch im Frühjahr 2018 im Westflügel des Bahnhofs Lausanne – im ehemaligen Bahnhofsbuffet – eröffnen.
Dessen Einrichtung mit Holztäfelung und Freskomalereien aus dem Jahr 1916 wird beinahe vollständig erhalten bleiben, so dass nun eine altehrwürdige Umgebung und ein zeitgemässes Bewirtschaftungskonzept eine neue Allianz eingehen. Eine ganz besondere Attraktion für den Bahnhof, wie ich finde.

Das ist ein sehr schönes – aber längst nicht das einzige – Beispiel dafür, dass unsere Bahnstationen attraktiv für Menschen auch jenseits des Thema «Reise» sind. Wir unterstützen unsere Mieter deshalb umfassend dabei, ihre Kunden zufrieden zu stellen. Denn wir wissen, dass das Konsumentenverhalten im Bahnhof ein ganz anderes ist, als ausserhalb.

Deshalb sind wir auch offen für neue Ideen von Trendsettern wie «Zopf&Zöpfli», «Marché Express» oder «Manora to go», die eine bunte gastronomische Vielfalt und ein qualitativ hochwertiges Angebot mit mobilem Service verbinden. Oder, um das Motto unseres Partners Gilles Desplanches zu zitieren: «Gastroangebote Prêt-à-Manger».

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