Mitten im Digitalisierungszeitalter eröffnet in der Zürcher Europaallee ein Buchsalon. Und ist erfolgreich. Wie das?

Mitten im Digitalisierungszeitalter eröffnet in der Zürcher Europaallee ein Buchsalon. Und ist erfolgreich. Wie das?
24. Mai 2018, Alexandre Du Pasquier im Gespräch mit Svenja Schicketanz (46)

Mitten im Digitalisierungszeitalter eröffnet in der Zürcher Europaallee ein Buchsalon. Und ist erfolgreich. Wie das?

Svenja Schicketanz leitet den Buchsalon des im Herbst 2017 eröffneten Kosmos Kulturzentrums. Mit ihr habe ich mich unter anderem über «Literatur zum Anfassen» in den Zeiten von Amazon und eReadern unterhalten.

Frau Schicketanz, was ist speziell an Ihrem Konzept im Kosmos Buchsalon und wer ist Ihr Zielpublikum?

Unser Grundsatz lautet: «Im Buchsalon durchdringen sich Geistiges und Kulinarisches, Kontemplation und Konversation, hier wird der Wein gelesen und das Buch getrunken.» Im Klartext bedeutet das, wir bieten eine vielseitige Plattform. Es gibt nicht nur das eine, bestimmte Publikum, welches sich im Kosmos wohl fühlen soll. Und es kommen tatsächlich die unterschiedlichsten Menschen zu uns.

Konsumieren und beziehen die Menschen Literatur heutzutage nicht meist auf elektronischem Weg?

Das mag sein. Aber die Menschen, mit denen ich zu tun habe, schätzen und erleben das Buch auch als eine haptische Erfahrung. Der Geruch eines Buches, die Verarbeitung, aber auch die Erinnerung, die ein im Regal stehendes Buch auslöst. Elektronisch bestellen ist sicherlich ganz praktisch, aber eben auch sehr clean und unpersönlich. Deshalb kann der «Buchhändler um die Ecke» dazu weiterhin eine gute Ergänzung bilden.

Wie locken Sie Gäste in ihren Buchsalon?

Die Gäste sitzen bei uns an kleinen Tischen und auf gemütlichen Sitzgruppen, arbeiten am Laptop, stöbern und finden am Ende das Buch, welches sie gar nicht gesucht haben. (Lacht.) An der Theke gibt’s Kaffee, Tee und Kuchen. Die Buchhandlung widmet sich der Zeitdiagnostik. Sie bietet Bücher an, die Gewichtiges, Unerhörtes oder Unterhaltsames zu unserer Gegenwart zu sagen oder zu zeigen haben. Dazu bieten wir regelmässig Lesungen oder Buchvernissagen an und wenige Treppenstufen weiter hat es ein Restaurant, einen Veranstaltungsort mit Bar sowie mehrere Kinos. Alles unter einem Dach.

Haben Sie anderenorts ähnliche Erfahrungen gemacht, dass analog und digital sich gut ergänzen?

Ja, ganz klar. Ich durfte bei der Umstrukturierung und Gründung verschiedener Firmen mitwirken, zuletzt als Front of House-Managerin im «Charles-Dickens-Museum» in London. Auch dort ist der Kontakt mit der Kunst vor Ort weiterhin unabdingbar. Menschen wollen rausgehen und von Menschen unterhalten werden.

In welches Zukunftsprojekt investieren Sie momentan Ihre meiste Zeit?

Da das Kosmos Kulturzentrum erst ein knappes Jahr geöffnet hat, sind wir noch dabei, unsere alltäglichen Prozesse und Rollen zu optimieren. Zukunftsprojekte werden sicherlich auch mit der Umsetzung der Durchlässigkeit im Kosmos zu tun haben. Wir bieten unsere verschiedenen Plattformen nicht nur als unabhängige, bespielbare Räume an, sondern vor allem auch im Zusammenhang mit den anderen Bereichen.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Die Europaallee ist für mich…

…ein Treffpunkt für Menschen in und um Zürich. Hier findet man Austausch und Inspiration, und insbesondere als «neue» Zürcherin erhält man einen guten Eindruck quer durch die Stadt, ihre Bewohner und ihre Angebotsvielfalt.

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Svenja Schicketanz leitet den Buchsalon des im Herbst 2017 eröffneten Kosmos Kulturzentrums.

Menschen wollen rausgehen und von Menschen unterhalten werden.

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Svenja Schicketanz (46)
Svenja Schicketanz (46)
Schauspielausbildung in München und New York. 1998 Managerin Customer Service bei «Mercateo» (Tochtergesellschaft von E.on) in München. 2001 Eventmanagerin bei «Trema» in Sophia Antipoles / Südfrankreich. 2009 Managerin des «Map Music Café» in London. 2011 Front of House-Managerin «Charles Dickens-Museum» in London. Seit Mai 2017 Leiterin Buchsalon im «Kosmos Kulturzentrum» Zürich.

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