Convenience-Shops punkten vor allem mit Neuheiten.

Convenience-Shops punkten vor allem mit Neuheiten.
11. Juli 2019, Marco Fuhrer

Convenience-Shops punkten vor allem mit Neuheiten.

Sie machen unser Leben einfacher, bequemer und sparen uns oftmals Zeit: Convenience-Shops sind aus dem Leben vieler nicht mehr wegzudenken. Der Convenience-Markt in der Schweiz ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und wird es nicht nur nach Aussagen von Experten weiterhin tun. Ende Juni wurden an einer Branchentagung die neusten Erkenntnisse einem Fachpublikum aus Handel und Industrie vorgestellt. Die Exklusiv-Studie «Convenience Schweiz» führte das Beratungsunternehmen Fuhrer & Hotz bereits zum zehnten Mal durch. Dafür wurden über 500 Konsumenten befragt, die repräsentativ für die erwerbsfähige Schweizer Bevölkerung stehen. Zudem sind die Meinungen von über 100 inländischen Experten aus dem Handel und der Konsumgüterindustrie eingeflossen, wovon ungefähr jeder Zweite in der Geschäftsleitung seines Unternehmens sitzt.

Die Jungen sind aufgeschlossener gegenüber Convenience.

Die Studie zeigt auf, dass ungefähr jeder dritte Schweizer Konsument ein sogenannter «Sofortverzehr-Shopper» ist, d.h. er oder sie kauft regelmässig unterwegs etwas für den Sofortverzehr (z.B. Sandwiches, Snacks oder Früchte) ein. Ihm ist zudem wichtig, dass die Convenience-Shops eine grosse Auswahl entsprechender Produkte anbieten. Diese Aussage trifft auf beide Geschlechter gleichermassen zu und ist bei den jungen Generationen «Z» (42 % zählen dazu; Jahrgang 1996 und jünger) und «Y» (39 %; Jahrgänge 1981-1995) vermehrt ausgeprägt. Der Sofortverzehrer zählt für den Convenience-Handel zu den wichtigsten Kunden, weil er in den typischen Schnellverpflegungsformaten (z.B. Tankstellen- und Bahnhofshops, Bäckereien oder Metzgereien mit Take-Away Angeboten) öfter einkauft als der durchschnittliche Konsument. Dieses Bild scheint auf den zweiten Blick etwas überraschend, da gemäss eigenen Angaben knapp 60 Prozent aller Sofortverzehrer auch Personen sind, die wenn immer möglich in einem Supermarkt oder Discounter einkaufen und Convenience-Shops nur dann berücksichtigen, wenn andere Geschäfte geschlossen sind (sog. «Notfall-Shoppertypen»). Dies könnte jedoch dadurch erklärt werden, dass die Personen bei letzterem eher an ihre Wochen- oder Grosseinkäufe denken, sich aber trotzdem regelmässig unterwegs etwas für den sofortigen Verzehr gönnen (beispielsweise in der Mittagspause oder auf dem Nachhauseweg nach dem Besuch im Fitnessstudio). Weniger überraschend ist, dass die Befragten der Generation «Z» am seltensten im Notfall einkaufen (20-Prozentpunkte Differenz gegenüber den «Baby Boomern» (Generation «Y»). Diese Altersgruppe ist es denn auch, die insbesondere in Bahnhofshops und bei Take-Away Angeboten am häufigsten einkauft.

Bahnhofshops haben noch viel Potential.

Gerade die jüngeren Konsumenten kaufen also vergleichsweise häufig in Bahnhofshops ein – so weit so erfreulich für die Betreiber dieser Formate. In der Studie wurde unter anderem auch untersucht, zu welchen Tageszeiten welche Formate am meisten für den Sofortkonsum aufgesucht werden. Die folgende Abbildung vergleicht dabei das jeweilige Top-Format pro Tageszeit mit dem Format des Bahnhofshops. Es zeigt sich, dass die Convenience-Shops am Bahnhof nie die Top-Position einnehmen. (Früh-) Morgens sind es die Bäckereien oder Metzgereien mit einem Take-Away Angebot, bei denen – über alle Formate hinweg jeder fünfte Konsument einkauft. Das ist zu dieser Tageszeit der Spitzenplatz. Über den Tag hindurch (Vormittag bis Nachmittag) sind es die Supermärkte, die für den Sofortkonsum alle anderen Formate hinter sich lassen. Supermärkte hätten möglicherweise auch morgens und abends die Topposition inne, hätten sie frühere bzw. längere Öffnungszeiten. In der Nacht weisen Tankstellenshops die meisten Konsumenten auf: 31 Prozent aller befragten Personen sagen, dass sie dort in der dunklen Tageszeit zirka einmal in der Woche oder öfters etwas für den Sofortkonsum einkaufen. Gerade während den Pendlerzeiten (morgens und abends) müsste die Abschöpfung der Convenience-Shops an Schweizer Bahnhöfen noch grösser sein. Leider haben sie es trotz ihrer meist sehr guten Lage respektive der hohen Besucherfrequenz noch nicht geschafft, zu den jeweiligen Tageszeiten mehr Konsumenten zum Kauf von Sofortverzehr zu animieren.

Konsumentenbefragung – Vergleich Tageszeiten: Top-Format vs. Bahnhofshops.

«Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man sich während eines Tages verpflegen kann. Im Folgenden interessieren wir uns für Mahlzeiten, Snacks oder Getränke, welche in einem Shop und für den sofortigen Verzehr eingekauft wurden (ohne Restaurants, Take-Away, etc.).
Bitte kreuzen Sie je Tageszeit diejenigen Einkaufsorte an, in denen Sie regelmässig (ca. einmal pro Woche oder mehr) etwas zum sofortigen Essen oder Trinken einkaufen.»

Graphik Konsumentenbefragung

Lesebeispiel: 19 Prozent aller befragten Konsumenten kaufen morgens regelmässig in Bäckerien / Metzgereien etwas für den Sofortverzehr ein. Repräsentative Befragung bei 512 Konsumenten. Quelle: Fuhrer & Hotz AG

Unbemannte Shops und ihre grössten Herausforderungen.

Ebenfalls Inhalt der Studie waren die Herausforderungen, vor denen die Geschäfte stehen, die in der Zukunft ganz oder zumindest temporär ohne Personal auskommen wollen. Drei Viertel der Studienexperten gehen davon aus, dass sich solche unbemannten Shops in den nächsten Jahren in der Schweiz durchsetzen werden. Natürlich spielt die Standortwahl eine grosse Rolle: So werden einzig Bahnhofshops in städtischen Gebieten von einer Mehrheit als geeigneter Einsatzort betrachtet. Zu den grössten Herausforderungen aus Konsumentensicht zählen – nach «der Sicherheit vor Diebstahl» – der Kundenservice und die Hygiene im Laden.

Wohin des Weges, Convenience Schweiz?

Interessant sind auch die Ergebnisse des Marktforschungsunternehmens Nielsen Schweiz, welches als Co-Autor mit einem Spezialkapitel in der Studie vertreten ist. So zeigt das Nielsen Handelspanel, dass ein Trend in Richtung kleinere Inhaltsgrössen (kleiner als 200 Gramm oder Milliliter) festzustellen ist. Dieses Format war das einzige, das 2018 gegenüber 2017 ein Umsatzwachstum (4 Prozent) verzeichnete. Apropos Umsatzwachstum: Neuheiten in den Convenience Warengruppen haben 2018 sechs Mal mehr zum Anstieg des Umsatzes beigetragen als Produkte aus dem Stammsortiment. In absoluten Zahlen sind das über 30 Millionen Schweizer Franken, welche neue Produkte im Bereich des Gassenkonsums beigetragen haben. Hinzu kommt, dass der immer grössere Fokus auf gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit in der Bevölkerung den Convenience-Handel in der Schweiz längerfristig prägen wird – darüber sind sich drei von vier Experten einig. Kombiniert man diese drei Befunde, so scheint es klar, wie die Zukunft im Convenience-Bereich aussehen dürfte: Ein immer wieder wechselndes Angebot, mit neuartigen, frischen und gesunden «On-the-go» Produkten, die in kleinen Grössen und selbstverständlich in umweltschonenden Verpackungen daherkommen.

Zur Studie.

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Marco Fuhrer
Marco Fuhrer
Der studierte Betriebsökonom FH hat sich in den vergangenen 20 Jahren als Marketingkoordinator bei den Globus Warenhäusern, als Marketingberater bei Nielsen Schweiz sowie als Trade Marketing Manager und Mitglieder der Geschäftsleitung von Barilla Schweiz ein umfangreiches nationales und internationales Know-how angeeignet. Mit diesem Background begleitet und berät er seit dem Jahr 2006 als Partner und Mitinhaber von Fuhrer & Hotz - Excellence in Retailing namhafte Detail- und Grosshändler sowie deren Lieferantenpartner.
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