Ein Gefühl für die Zukunft entwickeln.
30. August 2017, Olivier Zimmermann

Ein Gefühl für die Zukunft entwickeln.

In diesem Jahr habe ich mich ziemlich intensiv mit der Zukunft und Trends beschäftigt. Neben der Mitarbeit bei strategischen Vorhaben, wie u.a. Bahnhof der Zukunft, Apotheke der Zukunft und Kiosk der Zukunft, konnte ich auf dem GDI-Trendtag sowie am Future Day des Zukunftsinstituts in Frankfurt viele Zukunftsforscher und Experten erleben. Die sind sich alle darin einig, dass es schwieriger geworden ist, die Zukunft vorauszusagen. Vielmehr geht es darum, mit der Unsicherheit umzugehen und die Zukunft zu gestalten.

Zukunftssinn und positive Unsicherheit

Der amerikanische Publizist H.B. Gelatt bringt die Phänomene Zukunftssinn und Positive Unsicherheit sehr schön zum Ausdruck: «Zukunftssinn (future sense) beinhaltet die paradoxe Fähigkeit, nicht genau zu wissen wie die Zukunft sein wird, das Chaos der Gegenwart nicht völlig zu verstehen, aber dennoch fest daran zu glauben, dass wir daran arbeiten können, die Zukunft zu schaffen, die wir uns wünschen.» Es ist eine Lebensphilosophie, die er positive Unsicherheit nennt.

Future day 2017 Horx

Geist erweitern und neue Perspektiven einnehmen

Gemäss dem Buch Super Forecasting von Philip E. Tetlock und Dan Gardner lassen auch Prognosen von Experten häufig zu wünschen übrig. Gute Prognostiker sollten ihren Annahmen gegenüber skeptisch und bescheiden sein und sich ständig weiterentwickeln. Es gilt, den Geist zu erweitern und neue Perspektiven einzunehmen: Ergänzend zu Ökonomie und Technologie beispielsweise Neurowissenschaft, Philosophie, Evolutionsmodelle, (Kognitions-) Psychologie und Kunst. Trendforscher sollten zudem gute Beobachter von gegenwärtigen Entwicklungen sein, um mögliche gesellschaftliche Folgen ableiten zu können.

Einige weitere Take-aways zum Thema

  • Die Auswertung von Daten und die Analyse von Trends sind eine gute Basis, um die Zukunft zu erkennen, reichen alleine aber nicht aus. Die Zukunft hängt auch von mentalen Faktoren ab – wie z.B. Gefühlen – und von der Kraft der Empathie und der Zuversicht.
  • Weil die Gefühle eine gewisse Zukunftsmacht aufweisen, ist es hilfreich, sich mit der Logik der Gefühle und dem limbischen System zu beschäftigen.
  • Das limbische System nimmt negative Entwicklung stärker wahr als positive; daher ist die Kraft der Zuversicht bedeutsam (siehe weiter oben) und Mut zur Zuversicht wichtig – Mut, keine Angst zu haben.

Frühaufklärung betreiben und Flexibilität erhöhen

Nassim Nicholas Taleb, bekannter Essayist und Wissenschaftler (u.a. Autor von Der Schwarze Schwan), hat den Begriff Antifragilität geprägt: Auch Taleb geht davon aus, dass unsere Welt zerbrechlicher wird. Fragiles leidet unter Volatilität und Zufälligkeit und ist auf möglichst exakte Vorhersagen angewiesen. Deshalb geht es darum, Antifragilität anzustreben. Antifragilität ist mehr als Robustheit: Robustheit widersteht lediglich Schocks und übersteht sie unbeschadet. Das Antifragile aber profitiert von Schocks und wird besser.

Auch beim Bahnhof der Zukunft kann insbesondere die Intensität von einigen Megatrends derzeit nicht bis 2030 vorausgesagt werden – und vor allem nicht deren präzise Auswirkungen beispielsweise auf die Entwicklung der einzelnen Branchen. Dieser Unsicherheit haben wir bei SBB Immobilien Rechnung getragen, indem wir nicht von heute aus ein robustes Leitbild und Leitlinien für 2030 entwickelt haben. Vielmehr versuchen wir mit der Unsicherheit, die die Zukunft in sich birgt, positiv umzugehen:

  • Wir betreiben Frühaufklärung, verfolgen die Entwicklung der Megatrends fortlaufend und bereiten uns auf potentielle «Störereignisse» vor.
  • Wir bleiben flexibel, z.B. mittels kurzfristigeren Mietverträgen oder modulartigem Innenausbau der Läden.
  • Wir erweitern unsere Perspektiven laufend u.a. auch mittels Gedankenaustausch sowie Kooperationen mit unseren Mietern.