Was bringen 3D-Videos und 360-Grad-Visualisierungen bei der Vermarktung von Immobilien?

Was bringen 3D-Videos und 360-Grad-Visualisierungen bei der Vermarktung von Immobilien?
18. Juli 2019, Philipp Scherble im Gespräch mit Benoît Guiguet

Was bringen 3D-Videos und 360-Grad-Visualisierungen bei der Vermarktung von Immobilien?

Ein realistisches Bild von einem Gebäude und dessen Umgebung zu erhalten, ohne es live zu besichtigen, ist dank virtueller Technologien schon lange möglich. Bei der Vermarktung von Immobilienprojekten, die sich noch in der Entwicklung befinden, sind 360-Grad-Visualisierungen oder 3D-Videos nicht mehr wegzudenken. Diese kommen unter anderem bei unseren Projekten O’VIVES, PONT-ROUGE oder Quartier des Halles zum Einsatz. Wie entstehen diese Videos, was braucht es für eine erfolgreiche Umsetzung und wo geht die Reise in Zukunft hin? Darüber habe ich mich mit Benoît Guiguet von Imagina unterhalten.

Wie muss man sich den Entstehungsprozess dieser Videos vorstellen?

Wir arbeiten zwar mit ähnlichen Verfahren wie die Animationsfilme im Kino, doch existieren die Objekte unserer 3D-Videos nicht nur in der Vorstellung. Wir wollen die Geschichte von Projekten im Planungsstadium erzählen, die in der Zukunft verwirklicht und irgendwann tatsächlich Teil unserer Umgebung und somit der Realität sein werden.

Bevor wir uns ans Drehbuch machen, müssen wir zunächst eine Vorstellung davon entwickeln, wie das fertige Bauprojekt aussehen wird. Während der ersten Beobachtungsphase breiten wir etliche technische Zeichnungen der Architekten auf dem Tisch aus und analysieren diese. Dann fahren wir zum Bauplatz, um den Ort live zu erleben und sprechen mit den Personen, die an der Planung und Durchführung des Projekts beteiligt sind. Auf diese Weise erfassen wir die wesentlichen Merkmale des Projekts. Nun können wir ein Drehbuch schreiben und mit dem Filmen beginnen.

Anhand des Storyboards und des Produktionsplans stellen unsere 3D-Infographiker das Projekt bis ins kleinste Detail dar; sie parametrieren die einzelnen Szenen und animieren jedes Objekt (Personen, Fahrzeuge, Flüssigkeiten, Wolken, Lichter usw.). Ein anderes Team kümmert sich um Sound, Musik und Spezialeffekte. Wenn dann alle Parameter stehen, generieren dutzende Maschinen zehntausende von Bildern für die endgültige Montage des Films.

Während das Projekt nach und nach auf unseren Bildschirmen zum Leben erwacht, werden die einzelnen Schritte immer wieder validiert. Am Ende entfaltet sich die Magie: Das 3D-Video setzt die Vorstellung in Wirklichkeit um und schafft eine emotionale Verbindung zum Projekt.

Bringen die verschiedenen Projekte besondere Herausforderungen mit sich?

Wir haben es auf jeden Fall mit denselben Herausforderungen wie bei jedem kreativen Schaffensprozess zu tun. Jedoch kommt bei uns noch die technische Komplexität des Bauwesens hinzu. Wir müssen die Arbeit von Architekten, Landschaftsgärtnern, Dekorateuren und manchmal von Künstlern koordinieren und gleichzeitig das Know-how von Werbeagenturen, Grafikern, Webdesignern und sogar Juristen einbeziehen, ohne dabei die Ideen und Wünsche des Bauherrn zu vernachlässigen.

Im Rahmen dieser technischen und kreativen Vorgaben müssen wir in kürzester Zeit eine Vielzahl von Informationen weitergeben. Deshalb liegt die besondere Herausforderung darin, die wesentliche Botschaft des jeweiligen 3D-Videos nicht aus den Augen zu verlieren, die Emotion aufrechtzuerhalten und dabei die Aufmerksamkeit des Zuschauers nicht zu verlieren.

Imagina Ovives

Manche Projekte bieten eine 360-Grad-Ansicht. Was ist daran neu?

Seit der Gründung im Jahr 2000 arbeitet Imagina an innovativen Lösungen, womit sich technische Dokumente entschlüsseln und für die Allgemeinheit verständlich machen lassen. Für die meisten Menschen ist es schwierig, aus einer Planzeichnung auf Papier eine dreidimensionale Vorstellung zu entwickeln.

Ergänzend zu 3D-Videos und herkömmlichen Bildern bieten 360-Grad-Darstellungen dem Betrachter ganz neue Möglichkeiten: Er kann ein neues Projekt online anschauen, sich darin bewegen und es gemäss individuellen Kriterien und Tempo entdecken. Dazu braucht es lediglich einen Internetanschluss.

Ausserdem sieht man bei der 360-Grad-Darstellung alle Einzelheiten des Modells. Damit können auch die Planer und Bauherren im Verlauf unserer Arbeit ihre Projekte weiter ausfeilen.

Kurz gesagt ermöglicht uns dieses Tool, unsere Kunden und die Öffentlichkeit «ein Gebäude ausprobieren» zu lassen, bevor es gebaut wird …

Wo geht die Reise bezüglich 3D-Videos und 360-Grad-Visualisierung in Zukunft hin?

Dank der laufenden technologischen Neuerungen werden wir beim Entwickeln der Drehbücher für die 3D-Videos kreativer und die Interaktivität bei den 360-Grad-Darstellungen steigt. Beide Medien können ausserdem kombiniert werden, sodass wir 3D-Videos mit 360-Grad-Darstellung produzieren können. Diese neuartigen Videos können zum einen online angeschaut werden oder aber in «röhrenförmigen Strukturen» auf 360° projiziert werden, was ein gemeinschaftliches Erlebnis des Eintauchens ermöglicht.

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Benoît Guiguet
Benoît Guiguet
Benoît Guiguet ist 1973 geboren und hat in Genf und Paris eine Ausbildung als klassischer Tänzer absolviert. Anschliessend besuchte er die Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne, die er als Diplom-Architekt EPFL abschloss. Anfangs übte er diesen Beruf in Paris aus und bildete sich nebenbei im Bereich der 3D-Software weiter. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz gründete er 2000 das Unternehmen Imagina Sàrl, dessen Geschäftsführer er bis heute ist.

interviewt von

Philipp Scherble
Philipp Scherble
Philipp Scherble ist seit 2016 als Leiter Anlageobjekte West bei SBB Immobilien tätig. Der studierte Architekt schloss 2001 ein Studium an der Bauhaus-Universität in Weimar ab. Er arbeitete in Architekturbüros in Lausanne und Genf, machte 2011 in Zürich einen Masterabschluss in Immobilien und übernahm danach für fast fünf Jahre die Leitung Bauherrentreuhand bei der Immobilienbewirtschafterin Wincasa. Er ist Mitglied von RICS.
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