Das Ladenkonzept einer Buchhandlung in Zeiten des Online-Shoppings.

Das Ladenkonzept einer Buchhandlung in Zeiten des Online-Shoppings.
3. Oktober 2019, Werner Widmer im Gespräch mit Simona Pfister-Flammer

Das Ladenkonzept einer Buchhandlung in Zeiten des Online-Shoppings.

Im April 2019 hat Orell Füssli an der Europaallee direkt beim Aufgang Europaallee/Zürich HB eine Filiale eröffnet, in der stationär und digital Hand in Hand gehen. In Zeiten des Onlineshoppings setzt das grösste Buchhandelsunternehmen der Schweiz auf eine starke Verzahnung der beiden Bereiche und entwickelt den Omnichannel-Ansatz konsequent weiter. Wie das funktioniert und womit sich Orell Füssli in Zukunft beschäftigt, erklärt Simona Pfister-Flammer, Vertriebsleiterin und Mitglied der Geschäftsleitung im Interview.

Konsumieren und beziehen die Menschen Bücher heutzutage nicht meist auf elektronischem Weg? Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis bzw. wie halten Sie dagegen?

Nein, das gedruckte Buch wird immer noch am meisten gelesen. Unsere Kundinnen und Kunden lesen jedoch zunehmend hybrid: gedruckte Bücher sowie eBooks. Sie bewegen sich schneller zwischen den Kanälen hin und her. Deshalb bieten wir neben dem gedruckten Buch mit unserem «Tolino-Ökosystem» alle möglichen Formen des digitalen Lesens: Per eReader, im Browser und per App.

Wieso sollten wir gegen das digitale Lesen halten? Unsere Aufgabe ist es, Veränderungen wie die Digitalisierung frühzeitig zu erkennen und Angebote zu entwickeln, die für unsere Kundinnen und Kunden attraktiv sind. Dazu gehört auch, immer wieder Neues auszuprobieren, wie wir das zum Beispiel aktuell mit der digitalen Bibliothek in den Zügen der SBB tun.

Was steckt hinter Ihrem Filialkonzept an der Europaallee?

An der Europaallee verbindet Orell Füssli einen Ort zum Verweilen, Stöbern und Entdecken mit einem Raum für Begegnungen – zum Beispiel an der neuen Lesebar, wo die Kundschaft Handy und Laptop laden kann. Für die Filiale an der Europaallee haben wir ein neues Ladenkonzept umgesetzt, das vor allem mit Holz arbeitet. Dadurch entsteht ein klassisches Erscheinungsbild mit traditionellen Bücherregalen, das durch Innovationen wie der Lesebar und dem digitalen Angebot ergänzt wird.

Der Fokus der Orell Füssli-Filialen im Allgemeinen liegt auf dem Bucherlebnis, ob digital, als Hörbücher oder als klassische Bücher. Ergänzt wird unser Sortiment durch hochwertige buchnahe Produkte, die unsere Kundinnen und Kunden ebenfalls sehr schätzen. Bestandteil des neuen Filialkonzepts ist auch die Verknüpfung des stationären Verkaufs mit den digitalen Angeboten von Orell Füssli. Ein Team von Spezialistinnen und Spezialisten unterstützt eReader tolino-Neulinge und -Erfahrene mit hilfreichen Erklärungen und Tipps rund um das Thema digitales Lesen und stellt Neuheiten aus dem eBook-Sortiment vor.

Inwiefern unterscheiden sich Ihre Filialen an der Europaallee bzw. in den Bahnhöfen von den anderen Standorten?

Die Orell Füssli-Filiale an der Europaallee ist mit einer Verkaufsfläche von rund 300m2 deutlich grösser als die meisten anderen Bahnhof-Filialen. Grundsätzlich müssen die Filialen an Bahnhöfen unterschiedliche Zielgruppen und Bedürfnisse abdecken. Einerseits legen wir wie bei allen anderen Filialen grossen Wert auf Aufenthaltsqualität. Die Kundinnen und Kunden sollen nicht nur reinkommen, ein Buch kaufen und wieder gehen, sondern stöbern und entdecken. Andererseits haben wir auch Kundschaft, die in der Filiale nur schnell ein Buch abholen möchte, das sie vorher – zum Beispiel im Zug – online bestellt hat.

Welchem Zukunftsprojekt widmen Sie am meisten Zeit?

Ich fokussiere mich auf die Förderung unserer Mitarbeitenden und die Ausbildung der Lernenden. Sie sind unsere Zukunft im Buchhandel. Das gut ausgebildete Personal ist der Kern von Orell Füssli. Gerade in Zeiten der Digitalisierung sind unsere Mitarbeitenden eine der wichtigsten Erfolgspositionen.

Wie sieht aus Ihrer Warte der Bahnhof in zehn Jahren aus?

Bahnhöfe werden noch stärker zu einer Begegnungszone, sprich zu einem Ort, den man nicht nur aufsucht, wenn man auf den Zug muss, sondern auch um einen Kaffee zu trinken, um Neues zu entdecken oder einen kulturellen Anlass zu besuchen. Sicher wird man auch in zehn Jahren noch Bahnreisende beobachten können, die sich ihre Wartezeit mit einem guten Buch verkürzen.

Beitrag teilen
Simona Pfister-Flammer
Simona Pfister-Flammer
Seit Oktober 2018 leitet Simona Pfister-Flammer bei Orell Füssli den Vertrieb. Als Mitglied der Geschäftsleitung der Orell Füssli Thalia AG ist sie neben dem stationären Vertrieb und dem Vertriebs-Controlling auch für das Grosskundengeschäft sowie den Kundenservice verantwortlich.

interviewt von

Werner Widmer
Werner Widmer
Werner Widmer ist eidgenössisch diplomierter Immobilientreuhänder und arbeitet seit 1996 in unterschiedlichen Funktionen bei SBB Immobilien. Aktuell leitet er den Bereich Center Management interimistisch. Werner Widmer bloggt zu Trends, innovativen Konzepten und Hintergründen im Bereich Retail und Gastronomie rund um die grössten Schweizer Bahnhöfe.
Zum Autorenprofil
Zum Autorenprofil

Fokusthemen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.
Die Felder "E-Mail" und "E-Mail bestätigen" müssen übereinstimmen.
*Pflichtfelder

Newsletter