Welchen Mehrwert bringt die Digitalisierung?

Welchen Mehrwert bringt die Digitalisierung?
13. August 2019, Matthias Knuser

Welchen Mehrwert bringt die Digitalisierung?

Als die Digitalisierung in der Baubranche vor ein paar Jahren ankam, war die Euphorie gross. «BIM (Building Information Modelling) verändert das Bauen» titelte die Luzerner Zeitung 2017. Von Revolution war die Rede. Doch was ist in der Zwischenzeit tatsächlich geschehen? Wo stehen wir heute, was hat sich bewährt und wo liegen die Trends?

Noch ist die grosse Wende nicht eingetreten. Für die Gesamtdigitalisierung fehlt es der Baubranche an Fachleuten und an geeigneter (einfacher) Software. Allerdings gilt es zu beachten, dass grössere Bauprojekte einfach länger dauern. Nichtsdestotrotz sind erste Lösungen zur Digitalisierung am Markt angekommen. Für viele ist das Thema Neuland. Doch sind die digitalen Prozesse einmal erklärt, sind auch ältere Generationen begeistert. Es hat sich gezeigt, dass es keine Altersgrenze gibt. Vielmehr gilt es, den Leuten die vorhandenen Möglichkeiten aufzuzeigen. Kein einfaches Unterfangen, denn im Moment ist es noch schwierig, vor lauter Digitalisierungsmöglichkeiten den Überblick zu behalten und herauszufiltern, welches Verfahren einen echten Mehrwert bringt. Denn nur weil etwas neu digital ist, heisst es noch lange nicht, dass es besser ist.

Interaktive Jurierung – Win-Win-Situation für Auslober und Bearbeiter.

Um das Ganze wirklich effizient zu machen, braucht es den Willen, alte Gewohnheiten abzulegen, Prozesse zu hinterfragen und neu zu denken. «Wir machen es so, weil wir es schon immer so gemacht haben», ist der Tod sämtlicher Verbesserungen und Fortschritte.

Ein schönes Beispiel ist der digitale Wettbewerb. Was 2016 als Pilotprojekt gestartet wurde, entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem erfolgreichen Verfahren mit einer grossen Bandbreite an ausgeführten Immobilienprojekten. Für die Auslobung und Bearbeitung wird komplett auf Papier verzichtet, die Architekten entwerfen alles in 3D. Was am Anfang aufwändig tönt, ist inzwischen zu einem echten Mehrwert geworden. Durch die genau definierte Abgabe sparen die Architekten Zeit, weil sie weniger in die Präsentation investieren müssen. Dafür können sie sich wieder mehr auf die Architektur fokussieren und die Resultate weisen eine sehr hohe Qualität auf. Dies liegt wohl auch daran, dass durch die interaktive Jurierung sämtliche Aspekte des Entwurfs begutachtet werden (können). Es geht also nicht darum, die Schokoladenseite des Gebäudes möglichst gut in den Fokus zu stellen, sondern auch die schwierigeren Teile des Entwurfs zu lösen.

So ergibt sich eine Win-Win-Situation für Auslober und Bearbeiter. Dies haben inzwischen mehrere Unternehmungen erkannt und auch der SIA interessiert sich, was auf der digitalen Wettbewerbsschiene passiert. Das Ziel ist klar: Irgendwann sollen auch öffentliche Wettbewerbe mit unbegrenzt vielen Teilnehmenden möglich sein – die Weichen dahin sind bereits gestellt.

Per Konfigurator zur Wunschwohnung.

Auch die im ersten Moment radikal scheinenden Digitalisierungsansätze haben gezeigt, dass durchaus neue Wege gegangen werden können und auch akzeptiert werden. So geschehen, als wir den ersten „Wohnungskonfigurator“ zum Einsatz brachten.

Sämtliche Aspekte der zukünftigen Wohnung online konfigurieren.

 

Eine Wohnung online per Konfigurator kaufen? Ohne dem Käufer die komplette Freiheit zu lassen und ihn sogar auf eine Auswahl einzuschränken? Es war ein Experiment. Doch ab und zu geschehen bei solchen Experimenten Dinge, die man nicht vorhersehen kann. Umso besser, wenn diese auch noch positiv sind. Es hat sich herausgestellt, dass der Konfigurator nicht nur akzeptiert, sondern als grosse Hilfestellung angesehen wird. Eine Wohnung oder ein Haus kaufen die meisten Menschen im Normalfall einmal in ihrem Leben. Das generiert einen grossen Druck, da sich Laien plötzlich mit innenarchitektonischen Fragen auseinandersetzen müssen. Wer sich beispielsweise schon einmal mit der Gestaltung eines Badezimmers befasst hat, der weiss spätestens nachdem er sich durch hunderte von Armaturen und Lavabos durchgeschaut hat, wie gross die Auswahl ist. Wie soll man da die richtige Wahl treffen? Dank den Vorgaben eines Konfigurators, die ein Innenarchitekt gemacht hat, erhält der Käufer professionelle Unterstützung und Sicherheit, eine richtige Auswahl zu treffen. Das entlastet ungemein. Plötzlich ist es gar nicht mehr so abwegig, die gesamte Wohnung von Küche über Bad bis hin zum Schlafzimmer komplett online zu konfigurieren.

Die ersten Schritte zur Etablierung neuer Prozesse sind also bereits getan. Wir haben gemerkt, dass die Leute viel weniger Berührungsängste haben, wenn sie gut geführt und einen sinnvollen Mehrwert durch die neuen Abläufe haben. Dann ist die Angst vor dem Neuen schnell weg und die Digitalisierung kann den Einfluss haben, der ihr vorausgesagt wurde.

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Matthias Knuser
Matthias Knuser
Matthias Knuser ist Managing Partner bei Raumgleiter, eines der führenden Digitalisierungsbüros der Schweiz. Mit seiner Grundausbildung als Architekt ETH und seinem technischen Innovationssinn steht er an der Schnittstelle zwischen den Kunden und der Technik und ist bestrebt, die Digitalisierung nicht der Technologie willens zu machen, sondern um damit echte Mehrwerte zu generieren.

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