Herausforderung Vermarktung Retail-Flächen

Herausforderung Vermarktung Retail-Flächen

Herausforderung Vermarktung Retail-Flächen.

Anita Wenger, Director Retail Letting & Consulting bei CBRE Switzerland, ist mit der Vermarktung der Retail-Flächen der SBB Areale Europaallee und HB Nord beauftragt. Beide grenzen an den Zürich Hauptbahnhof im Zentrum der Stadt. Ich habe Anita Wenger ein paar Fragen zu ihrem Mandat und zu den Herausforderungen im Vermarktungsgeschäft gestellt.   

Wo liegen die Herausforderungen, im aktuellen Marktumfeld Retailflächen zu vermieten – national und international? 

Der Retailmarkt befindet sich in einem schwierigen Umfeld. Onlinehandel und Auslandeinkäufe machen zusammen mittlerweile rund 20 Prozent des Schweizer Retailumsatzes aus. Deshalb sind die Umsätze stark rückläufig. Dieser Strukturwandel zwingt die meisten Detailhändler, ihr Filialnetz zu optimieren. Erste Rückzüge sind bereits zu verzeichnen. In der Folge sind viele Flächen auf dem Markt, auch an guten Lagen. Dies betrifft teilweise auch Toplagen, für die vor ein paar Jahren noch Schlüsselgeld bezahlt wurde.

Die bestehenden Retailer expandieren vielfach nur noch sehr selektiv, um ihr Filialnetz zu optimieren.  Internationale Brands, welche hier noch nicht aktiv sind, haben die Schweiz für einen Markteintritt nicht prioritär auf dem Fokus. Dies aus vielerlei Gründen: schwierige Marktlage, kleiner Markt, hohe Kosten, vielfältige Strukturen (Föderalismus) und drei Landessprachen.

SBB Immobilien will attraktive Stadtgebiete und interessante Retailangebote schaffen. Deshalb werden mögliche Nutzungen für die Flächenvermietung vorgegeben.  Erschwert dies Ihre Aufgabe?

Für eine nachhaltige Vermietung bedarf es heute einer klaren Positionierung der Immobilie. Dies dient uns wie auch den Interessenten.

Oftmals können Retailer, die nicht zur angepeilten Zielgruppe gehören, höhere Mietzinse bezahlen. Brands innerhalb der Zielgruppe können mit ihren Konzepten die für die Lage erforderlichen Mietzinse nicht immer bezahlen. Kleinere Brands verfügen über weniger Budget für den Mieterausbau als  grosse Ketten. Mit den Projekten Europaallee und HB-Nord, die wir derzeit vermarkten, sprechen wir prioritär Konzepte an, die in Zürich oder sogar in der Schweiz über kein Filialnetz verfügen . Ebenso benötigen Newcomer mehr Beratung. Wir sind aber überzeugt, dass es richtig ist, an der angestrebten Positionierung festzuhalten. Diese sichert den langfristigen Erfolg des Standorts. Denn nur so entsteht  ein abwechslungsreicher Mietermix, der eine attraktive Alternative zu den bekannten Einkaufsmeilen in der Innenstadt bietet. In diesen ist der Mietermix aufgrund der vielen Eigentümer nicht abgestimmt.

SBB Immobilien legt grossen Wert auf  die digitale Präsenz der Angebote in den Märkten. Hilft Ihnen das in Ihrem Mandat?

Selbstverständlich fördert  digitale Präsenz die Standortbekanntheit. Die Reichweite nimmt hier stetig zu. Die SBB nimmt im Bereich «New Media» eine Vorreiterrolle ein. Auf der Europaallee-Website finden sich nicht nur Mietpreise. Die Site vermittelt mittels Instagram und Blogs einen Eindruck des aktiven Lebens im bereits bestehenden Quartierteil. Das unterstützt uns in der Vermarktung, da wir Interessenten so aufzeigen können, wie attraktiv der Standort ist. So werden auch neue, noch nicht bekannte Konzepte auf uns aufmerksam.

Wie finden Sie ausserordentliche Retailer?

CBRE verfügt über ein ausgezeichnetes nationales und internationales Netzwerk. Das interne Netzwerk unterstützt uns vor allem im Kontakt mit internationalen Brands, die noch nicht in der Schweiz sind. Unser Retail-Team verfolgt den Markt sehr genau. So wissen wir wohin die Trends gehen und welche neuen Konzepte auf den Markt kommen.

Wie attraktiv beurteilen Sie die Flächen im Kosten-Nutzenverhältnis?

Aufgrund der angespannten Lage im Retailmarkt hat der Druck auf den Mietzins in den letzten Jahren stark zugenommen. Retailer bezahlen auch an Toplagen nicht mehr jeden Preis. Die SBB ist sich dessen bewusst und bietet auch an zentralen Lagen ein attraktives Kosten-Nutzenverhältnis.
 

    Anita Wenger

    Anita Wenger

    Anita Wenger ist seit über 15 Jahren im Bereich Retailimmobilien tätig, seit 2003 bei der CBRE Switzerland (ehemals psm Center Management AG). Während ihrer bisherigen Tätigkeiten hat sie verschiedene Retailimmobilien und Shopping Center in den Bereichen Entwicklung, Konzeption und Erstvermietung betreut. Auch die Wiedervermietung von einzelnen Retailstandorten gehören zu ihrem Tätigkeitsbereich.

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André Koop, Leiter Marketing SBB Immobilien
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