Was steckt eigentlich genau hinter «SBB Smart Emma»?

Was steckt eigentlich genau hinter «SBB Smart Emma»?
11. Februar 2019, Philipp Leimgruber im Gespräch mit Philipp Lombriser

Was steckt eigentlich genau hinter «SBB Smart Emma»?

Seit dem 3. Februar können die Kundinnen und Kunden im Zürich HB bei verschiedenen Händlern im SBB Smart Emma Pop-Up Store einkaufen. Wie früher bei Tante Emma bietet der Laden den Passantinnen, Passanten und Reisenden viele verschiedene Produkte und Dienstleistungen von lokalen Anbietern. Neu ist, dass die Kunden das Angebot beziehungsweise die Anbieter selber wählen können. Mittels Online-Voting im Dezember 2018 und Januar 2019 wurde aus 64 Anbietern ausgewählt.

Was genau hinter «SBB Smart Emma» steckt, welche Ziele wir damit verfolgen und wie das Konzept genau aussieht, habe ich Projektleiter Philipp Lombriser gefragt.

Wie kam es zu der Idee von SBB Smart Emma? Und warum wurde eigentlich ein Voting für die Anbieter durchgeführt?

Anfang 2018 lancierte SBB Informatik ein Innovations-Camp, bei dem verschiedene Challenges angegangen wurden. Das Projektteam von «My Smart Station Zürich HB» gab unserem Team den Auftrag, eine Idee auszuarbeiten, den Zürich HB zum digitalsten und persönlichsten Verkehrsknotenpunkt der Welt zu machen.

In einem diversifizierten Team entwickelten wir ein Konzept für den Bahnhof der Zukunft: Ein mobiles Raumkonzept, das es ermöglicht, die gleiche Ladenfläche mehrfach zu bespielen und dadurch die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse über den Tag optimal abzudecken.

Uns war zudem wichtig, kleine und lokale Anbieter zu bevorzugen, um die Angebotsqualität am Bahnhof zu erhöhen. Dank dem Online-Voting konnten wir die «Schwarmintelligenz» nutzen und so das Angebot an die persönlichen Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden ausrichten.

Was muss man sich unter SBB Smart Emma genau vorstellen? Wo steht er? Wie lange?

SBB Smart Emma ist ein neues Ladenkonzept, das wir in den nächsten vier Monaten in einem Pop-Up Store in der Passage Löwenstrasse im Zürich HB testen. In einem Online-Voting wurden dafür vom Publikum von über 60 Bewerbern 24 Anbieter auserkoren. Um ein vielfältiges und abwechslungsreiches Angebot zu bieten, werden jeweils drei Händler gemeinsam während zwei Wochen den Laden betreiben. Im zwei Wochen-Rhythmus werden diese fortlaufend durch einen neuen Anbietermix ausgetauscht.

Der Shop wurde im Voraus von uns designt und mit dynamischen Elementen eingerichtet. Dadurch kann die Fläche innert kürzester Zeit verändert und den Kundenansprüchen gerecht werden. Gleichzeitig bleiben den Anbietern der Aufwand und die Kosten für die Einrichtung erspart. Die Händler von SBB Smart Emma werden ihre individuellen Angebote mit spezifischen Events und Workshops abrunden und damit spannende Erlebnisse für die Passantinnen und Passanten schaffen.

Musstet ihr viel Werbung machen, um Anbieter zu finden und Teilnehmer für das Voting zu gewinnen?

Die Suche nach Anbietern verlief ohne jegliche Fremdwerbung. Wir haben SBB interne Kanäle wie z.B. Newsletter, Homepage und Social Media genutzt, sowie das private Netzwerk jedes einzelnen Teammitglieds. Erfreulicherweise hatte die Agentur Ron Orp während der Akquise-Phase einen Artikel über SBB Smart Emma publiziert, woraufhin sich weitere Interessenten meldeten. Schliesslich waren über 100 Anmeldungen eingetroffen, wovon 64 Anbieter fürs Online-Voting zugelassen wurden.

Während der einmonatigen Voting-Phase profitierten wir hauptsächlich vom Netzwerk-Effekt. Die Anbieter legten sich von Anfang an mächtig ins Zeug und betrieben viel Eigenwerbung. Wir waren über den grossen Ansturm auf der Webseite überrascht: Bereits am ersten Tag kamen über 10'000 von insgesamt 50'000 Stimmen zusammen.

Was waren die grössten Herausforderungen bei diesem Projekt? Und was freut Dich am meisten?

Am meisten habe ich mich über die Leistung meines Teams gefreut. Obwohl die meisten von uns eng in ihrem Tagesgeschäft eingebunden waren, haben wir uns den nötigen Freiraum für das Projekt verschafft. Die Leidenschaft und Motivation für SBB Smart Emma war bei allen von Anfang an spürbar und hat sich bis heute gehalten.

Die grösste Herausforderung war für mich, ein Projekt mit sehr geringem «IT-Anteil» zu leiten. Normalerweise fühle ich mich in der Welt von Nullen und Einsen zuhause. Für die Planung und Umsetzung von SBB Smart Emma machte ich daher Gebrauch von den Prinzipien und Methoden aus der agilen Softwareentwicklung und adaptierte diese auf unser Projekt.

Eine weitere Herausforderung besteht nun darin, dass wir uns mit SBB Smart Emma direkt dem grossen Publikum stellen. Dies erhöht den Druck, möglichst keine Fehler zu machen. Dank dem Rückhalt im Team, können wir diesen aber gut ausbalancieren.

Alles zum Projekt «SBB Smart Emma» finden Sie auf «My Smart Station Zürich HB».

Im folgenden Video geben die ersten Anbieter und Kunden Einblicke zum SBB Smart Emma Shop.

 

Daniele Tremonte
Geschäftsführer Famiglia Tremonte

Hier lernen wird die Leute kennen. Sie wollen wissen woher die Produkte kommen und wer bzw. wie man sie herstellt. Die Workshops, die wir anbieten, sind alle ausgebucht.

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Philipp Lombriser
Philipp Lombriser
Philipp Lombriser ist seit Januar 2018 Projektleiter von SBB Smart Emma im Programm «My Smart Station Zürich HB». Normalerweise arbeitet er als Business Analyst bei SBB IT und ist in verschiedenen Digitalisierungsprojekten bei SBB Immobilien involviert. Philipp hat einen Master der Universität Utrecht in Wirtschaftsinformatik.

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Philipp Leimgruber
Philipp Leimgruber
Philipp Leimgruber ist seit April 2018 Gesamtprojektleiter von My Smart Station Zürich HB. Zuvor arbeitete er in der Unternehmensentwicklung von SBB Personenverkehr und war unter anderem Product Owner der SBB Reiseplaner App. Der promovierte Sozialwissenschaftler verfügt über Weiterbildungen in BWL, Innovations- und Changemanagement und ist zertifizierter Scrum Master und Product Owner.
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Kommentare

Peter Wicki Di, 12.02.2019 - 17:15

Super Sache!
Gratulation ans ganze MSSZH Team für die tolle Umsetzung.

Sisi Do, 14.02.2019 - 09:38

Bitte Caritas Laden permanent im HB lassen. Es bringt ein Tröpfchen Diversität zu ein sehr funktionnelles Ort. Es ist so viel beser als die banale Läden die dort üblicherweise stehen!

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