Smart Retail erfordert Smart Logistics.

Smart Retail erfordert Smart Logistics.
28. November 2019, Anja Riedle im Gespräch mit Berko Sierau

Smart Retail erfordert Smart Logistics.

Am 7. November fand in Zürich das jährliche Retail Forum Switzerland statt. Der Fachkongress bot der SBB eine Gelegenheit, sich mit dem City-Logistik Unternehmen notime AG über Ideen zu Smart Retail und Smart Logistics auszutauschen.

Als Betreiberin zahlreicher kommerzieller Flächen in Bahnhöfen und Arealentwicklungen arbeitet die SBB stets an Lösungen, um Retail smarter zu machen, so beispielsweise mit dem Projekt «My Smart Station Zürich HB». Gemeinsam mit Mietern, Lieferanten und weiteren Partnern wurden dabei während zwei Jahren Services und Anwendungen in den Bereichen, Mobilität, Logistik, Kundeninteraktion, Retail und Gastronomie getestet.

Ein ähnliches Vorhaben starteten die SBB und der Kanton Basel-Stadt mit dem Smart City Lab Basel: Seit April dieses Jahres bietet das Lab auf dem Areal des Güterbahnhofs Wolf eine Plattform für Lösungen im Smart City Bereich und zählt bereits über 20 Partner – u.a. einige aus dem Logistikbereich. Einer davon ist die Firma notime, die an smarten Lösungen für die Lieferung von Paketen und Mahlzeiten auf der letzten Meile arbeitet. Wie man Waren effizient und ressourcenschonend in die Stadt von morgen transportiert, darüber habe ich mich am Retail Forum mit Berko Sierau, Head of Research & Innovation von notime, unterhalten.

Für was steht in Deinen Augen «Smart Logistics»?

Smart bedeutet für mich in diesem Zusammenhang in erster Linie innovative Logistik, die versucht, alle «betroffenen» Bereiche ganzheitlich zu betrachten. Nur so können wir nachhaltige Konzepte entwickeln, und die Anforderungen der Zukunft hinsichtlich steigendem Liefervolumen, innerstädtischem Platzbedarf, Null-Emissionen und flexiblen Kundenbedürfnissen schon jetzt berücksichtigen. Es geht also um mehr als die Supply Chain. Es geht um den Einbezug moderner Mobilitäts- und Lebenskonzepte und natürlich des Umweltschutzes. Es gilt, die Potenziale neuer digitaler Technologien für die Logistik zu nutzen und so vor allem die Städte lebenswerter zu machen.

Warum hat sich notime im Smart City Lab Basel angesiedelt und welche Projekte verfolgt Ihr dort?

Die Kooperation von KEP-Dienstleistern, also Kurier-, Express-, Paketdienstleistern, muss in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen, um Städtelogistik ökologisch und kundenfreundlich zu machen. Im Smart City Lab Basel sind neben uns auch die Kurierzentrale und Rikscha Taxi angesiedelt – zwei weitere nachhaltige Kurierdienstleister. Wir haben dort zum einen eine Plattform für gemeinsame Pilotprojekte im Logistikbereich, zum anderen aber auch die Möglichkeit, uns mit der Lab-Community auszutauschen und Ideen zu entwickeln, die vielleicht sogar über eine «smarte Logistik» hinausgehen. 

Was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Es gibt spannende Pilotprojekte bei uns, die vor allem auf die Wünsche des Endkunden nach flexibleren Lieferoptionen abzielen. Persönlich reizt mich jedoch derzeit das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Effizienz in der Letzten-Meile-Zustellung am meisten. Es geht ja in der City-Logistik nicht nur darum, Lieferwagen durch Lastenvelos zu ersetzen. Wir erarbeiten Konzepte, wie zum Beispiel durch die Implementierung von sogenannten Mikrohubs eine hohe Anzahl an Paketen effizient UND nachhaltig zugestellt werden kann. Wir testen das derzeit in Zürich in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post. Die nächste Herausforderung wird sein, dieses Konzept auf die Bedürfnisse und die Besonderheiten anderer Städte zu übertragen. Hier wird sich in der Zukunft viel tun – ganz sicher auch in Basel und vielleicht ausgehend vom Smart City Lab.

Weitere Informationen zu Smart City und Smart City Lab Basel.

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Berko Sierau
Berko Sierau
Berko Sierau ist promovierter Atmosphärenphysiker. Sein Interesse am Klimaschutz setzt er seit 2016 in nachhaltiger City-Logistik um, als er von der ETH Zürich zum Technologie-Startup notime AG wechselte. Hier ist er verantwortlich für Forschung und Innovationen und versucht, CO2 durch intelligente Logistikansätze einzusparen. Nebenbei hat er sein Hobby zum Beruf gemacht, und „schrüblet“ daran, das (Lasten-)Velo für den Einsatz in der Logistik fit zu machen.

interviewt von

Anja Riedle
Anja Riedle
Anja Riedle ist Leiterin Smart City bei der SBB. Vor über drei Jahren hat sie das Thema als kleines Projekt übernommen und von der Konzeption bis zur Umsetzung vorangetrieben. Im Smart City Lab Basel testet sie mit ihrem Team, dem Kanton Basel-Stadt und mittlerweile über 20 Partnern die Lösungen für die smarten Städte von morgen.
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