Welche Vorteile bringt eine smarte Abfallentsorgung am Bahnhof?

Welche Vorteile bringt eine smarte Abfallentsorgung am Bahnhof?
17. Oktober 2019, Christian Fricker im Gespräch mit Philipp Lombriser

Welche Vorteile bringt eine smarte Abfallentsorgung am Bahnhof?

Insgesamt entfernen und entsorgen rund 400 Mitarbeitende des SBB Facility Managements jährlich mehr als 40’000 Tonnen Zeitungen, PET-Flaschen, Aluminiumdosen und andere Entsorgungsmaterialien an den Bahnhöfen. Damit diese Menge nicht noch weiter zunimmt, arbeitet die SBB gemeinsam mit den Kunden aktiv daran, Abfall zu vermeiden, zu trennen und dem Schweizer Recyclingprozess zuzuführen. Dazu wurden in 34 Bahnhöfen Recycling-Stationen aufgestellt, die eine einfache und effiziente Abfalltrennung ermöglichen.

Die bestehenden Recycling-Stationen sind seit mehreren Jahren erfolgreich im Einsatz. Im Rahmen von My Smart Station Zürich HB wurden an zwei Recycling-Stationen ein intelligentes Abfallmanagement-System getestet – das sogenannte «Smart Waste Management». Wie dieses funktioniert und was dahintersteckt, darüber habe ich mich mit Projektleiter Philipp Lombriser unterhalten.

Welches Ziel verfolgt ihr mit dem «Smart Waste Management»?

Mit dem «Smart Waste Management» wollen wir die Abfallentsorgung mithilfe von «IoT» (Internet of Things) – Sensoren bedarfsgerecht planen und steuern. So könnten künftig beispielsweise die Entsorgungstouren am Bahnhof flächendeckend überwacht und optimiert werden. Im Rahmen eines Pilotprojekts haben wir im Herbst 2018 im Zürich HB zwei Recycling-Stationen mit Sensoren ausgerüstet. In regelmässigen Intervallen massen diese den Füllstand und übermittelten ihn online an die Reinigungsmitarbeitenden. Damit wussten diese, wann die Stationen geleert werden müssen und konnten ihre Entsorgungstour entsprechend planen.

Illustration einer intelligenten Recyclingstation am Bahnhof.
Abbildung 1. Illustration einer intelligenten Recyclingstation am Bahnhof

 

Wie funktionierte das genau?

Zwei erste Tests mittels Ultraschall- und Lasersensoren haben sich aufgrund des Designs der Recycling-Stationen respektive wegen zu hoher Kosten nicht bewährt. Dies veranlasste uns, nach neuen Lösungen zu suchen. Deshalb schlüpften wir selbst einen Tag lang in die Rolle einer Reinigungsfachkraft und bewirtschafteten die Recycling-Stationen am Zürich HB. Durch die gesammelten Erfahrungen und aus Gesprächen mit den Reinigungsfachkräften haben wir zahlreiche Einflussfaktoren auf die Abfallmengen erkannt: Passagierfrequenzen, Wetter, Tages- und Jahreszeit, Events und Verteilaktionen, die Geschäfte in der Umgebung – diese und viele weitere Punkte beeinflussen die anfallende Abfallmenge massgeblich.

Wie soll die Analyse von Daten bei der Abfallentsorgung helfen?

Geplant ist, dass wir nur einen Teil der Recycling-Stationen mit optischen Sensoren für die Datenerhebung ausstatten. Stichproben sollen dann Rückschlüsse auf alle Recyclingstationen am Bahnhof erlauben. Dasselbe Prinzip wird u.a. auch bei Wahlprognosen eingesetzt. Durch «Maschine Learning» (Generierung von Wissen aus Erfahrung) kann das System kontinuierlich optimiert und neue Muster und Gesetzmässigkeiten identifiziert werden.

Was sind die grössten Herausforderungen?

Der Projekterfolg hängt von den verfügbaren Daten und deren Qualität ab. Je mehr relevante Daten uns zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen, desto präziser kann der Füllgrad berechnet werden. Eine weitere Herausforderung ist die Integration ins Kerngeschäft. Um diese zu meistern, involvierten wir von Anfang Mitarbeitende des Facility Managements. Dies erhöht nicht nur die Akzeptanz, sondern hilft gleichzeitig, die Lösung während der Entwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wie geht es nun weiter?

Aktuell streben wir eine Kooperation mit einer Schweizer Fachhochschule an, um unsere Vision in Form einer Machbarkeitsstudie am Zürich HB gemeinsam voranzutreiben.

Abfall vermeiden, trennen und recyceln.

Die Entsorgung und Wiederverwertung verwendeter Materialien ist ein wichtiger Teil der ökologischen Verantwortung und hat bei der SBB hohe Priorität.

Beitrag teilen
Philipp Lombriser
Philipp Lombriser
Philipp Lombriser arbeitet als Business Analyst bei SBB IT und ist in verschiedenen Digitalisierungs- und Innovationsprojekten bei SBB Immobilien involviert. Seit Herbst 2017 ist er Teil vom «Smart Station» Kernteam und verantwortet dort diverse Projekte im IoT und Data Analytics Bereich. Philipp hat einen Master an der Universität Utrecht in Wirtschaftsinformatik erlangt und sich an der HWZ zum Thema «Innovation Management» weitergebildet.

interviewt von

Christian Fricker
Christian Fricker
Christian Fricker arbeitet seit 2012 bei SBB Immobilien und beschäftigt sich seitdem unter anderem mit Abfall und dessen Bewirtschaftung. Trotz hoher Skepsis überzeugte er die Geschäftsleitung, die Abfalltrennung bei der SBB einzuführen und ebenso den Clean-Up-Day. Heute beschäftigt sich der Spezialist für Bahnhofmanagement mit der Aufenthaltsqualität und Logistikthemen an den Bahnhöfen.
Zum Autorenprofil
Zum Autorenprofil

Fokusthemen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.
Die Felder "E-Mail" und "E-Mail bestätigen" müssen übereinstimmen.
*Pflichtfelder

Newsletter