Smarte Strassenlaternen sind das Nervensystem einer Smart City.

Smarte Strassenlaternen sind das Nervensystem einer Smart City.
2. Oktober 2017, Anja Riedle

Smarte Strassenlaternen sind das Nervensystem einer Smart City.

Am Bahnhof Wädenswil pilotiert die SBB mit dem Wädenswiler Traditionsunternehmen ELEKTRON und weiteren Partnern den ersten smarten Lichtmast der Schweiz. Der Grundstein für diese Zusammenarbeit wurde im April 2017 bei der SmartSuisse in Basel gelegt. Dort habe ich Enrico Baumann, den CEO von ELEKTRON, kennengelernt. Als Programmleiterin Smart City bei der SBB habe ich pünktlich zum Start unseres Piloten ein Interview mit Enrico Baumann geführt. 
 

Was haben Strassenlaternen mit einer Smart City zu tun?

Auf den ersten Blick nicht viel. Wenn man aber genauer hinschaut, stellt man fest, dass Strassenlaternen überall dort sind, wo Menschen leben und somit auch dort, wo Smart Cities entstehen werden. Strassenlaternen können heute weit mehr als nur leuchten. Spannend wird es, wenn man diese bislang isolierten Laternen vernetzt und zum Trägerelement für ein städtisches Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) macht. Um zuverlässig zu funktionieren, benötigt dieses IoT ein feinmaschiges Netz, in dem jeder Knotenpunkt mit einem oder mehreren anderen Knotenpunkten verbunden ist. Strassenlaternen können dank ihrer flächendeckenden Infrastruktur in den Städten von morgen als solche Knotenpunkte fungieren, da sie bereits mit Strom versorgt sind und nur noch um entsprechende Kommunikationsknoten ergänzt werden müssen.

Diese können auch mit Daten aus smarten Dingen anderer vernetzter Infrastrukturen zusammengeführt werden. Hier kommen die Ver- und Entsorgung in Frage, beispielsweise Abfalleimer mit Füllstandssensor oder Parkings mit Belegungssensor im Verkehrsbereich. Genau das macht aus einer Smart Public Lighting-Lösung eine Smart City-Lösung, die verschiedene städtische Infrastrukturen integriert.

Elektron Smart City Grafik
 

Strassenlaternen werden auch zukünftig noch die Beleuchtung im öffentlichen Raum sicherstellen, aber eben noch viele weitere Funktionen übernehmen. Der Begriff «Strassenlaterne» greift dann aber viel zu kurz und ist eigentlich schon fast eine Beleidigung [lacht]. Deshalb reden wir mittlerweile lieber von intelligenten oder multifunktionalen Lichtmasten.

Klingt gut, aber was macht aus einer Strassenlaterne einen intelligenten Lichtmast?

Zunächst werden die traditionellen Lichtmasten auf LED umgerüstet. Das klingt wenig revolutionär, reduziert den Stromverbrauch gegenüber herkömmlichen Strassenlampen allerdings um 70 Prozent.  

Revolutionär oder vielmehr smart ist aber, dass die LED-Leuchte künftig mit einem Kommunikationsknoten versehen ist, der Sensoren (z.B. Bewegungssensor) und Aktoren (z.B. LED-Leuchte) ansteuern und mit anderen Kommunikationsknoten vernetzen kann. Will heissen: Der intelligente Lichtmast leuchtet nur, wenn jemand in der Nähe ist. Die Lichtemission in der Nacht wird also stark reduziert, was eine positive Wirkung auf Mensch und Tier hat.

Weniger Lichtverschmutzung bedeutet höhere Lebensqualität. Gibt es noch weitere Vorteile?

Ja, denn der intelligente Lichtmast ist auch  multifunktional. Im Modell Sm!ght, das in Wädenswil steht, sind neben dem Bewegungssensor weitere Sensoren integriert. Diese sammeln Klimadaten, z.B.  Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Lärm, Feinstaub, Ozon und CO2.. Daneben verfügt der Lichtmast über eine Public-WiFi-Antenne, zwei Ladestationen für Elektroautos und einen Sensor zur Verkehrsmessung. Weitere Funktionen wie Sensoren fürs Parkplatzmanagement oder eine Notruffunktion können bei Bedarf ergänzt werden.

Warum steht der erste multifunktionale Lichtmast der Schweiz ausgerechnet in Wädenswil?

Das hat mehrere Gründe. Die Firma ELEKTRON wurde 1951 gegründet und hat ihren Sitz seit 1973 in Au bei Wädenswil am Zürichsee. Wir sind hier also verwurzelt. In Stadtpräsident Philipp Kutter haben wir rasch einen wichtigen Verbündeten für unser Projekt gefunden. Zudem sind wir froh, dass wir auch die EKZ und die SBB für dieses Vorhaben gewinnen konnten. Die Städte und Partnerschaften sind für eine Smart City essenziell – ohne sie lässt sich das Thema nicht auf den Boden bringen. Gemeinsam wollen wir zeigen, dass die Smart City heute schon umsetzbar ist.  Mit dem Piloten in Wädenswil wollen wir die Aufmerksamkeit von weiteren Städten und Partnern gewinnen und aufzeigen, dass sich Städte und Gemeinden, egal wie gross oder klein sie sind, zu einer Smart City entwickeln können.

Wie sieht die Zukunft der multifunktionalen Lichtmasten aus?

Wir stehen noch ganz am Anfang, aber das Potenzial ist riesig: Bislang sind weltweit nur 6,3 Millionen Einheiten oder 2 Prozent aller Strassenleuchten multifunktional. Neueste Schätzungen gehen davon aus, dass diese Quote bis 2026 auf 20 Prozent ansteigen wird. Die Nachfrage nach Smart City-Lösungen wird also definitiv steigen. Unsere Aufgabe wird es sein, allen Beteiligten zuzuhören und die verschiedenen Bedürfnisse der Städte und Gemeinden und ihrer Bürgerinnen und Bürger zu erfassen. Gemeinsam mit Behörden und Technologiepartnern entwickeln wir dann massgeschneiderte Lösungen. So sind alle involviert und werden schlussendlich Teil der Smart City.

 

Fotos vom Event: www.smart-city-waedenswil.ch/galerie/

Der multifunktionale Lichtmast wurde am 28. September 2017 mit einem grossen Fest in Wädenswil offiziell eingeweiht.
Weitere Informationen unter www.smart-city-waedenswil.ch

Weitere Informationen zum Thema Smart City: www.sbb-immobilien.ch/smart-city 

Enrico Baumann

Enrico Baumann

CEO and Member of the Board, ELEKTRON AG

Enrico Baumann führt als engagierter Visionär seit sechs Jahren die Weiterentwicklung der ELEKTRON AG an. Mit dem Aufbau eines Business Development Centers schaffte er Raum für Innovation und fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kunden, Behörden, Hochschulen und Technologie-Partnern. Beides sind wichtige Voraussetzung für den Smart City-Ansatz der ELEKTRON.

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Anja Riedle
Anja Riedle
Anja Riedle arbeitet seit 2012 in der SBB Unternehmensentwicklung und verantwortet das konzernweite Projekt Smart City. Bei diesem breiten Thema kommen der studierten Betriebswirtschaftlerin ihre vielfältigen Erfahrungen aus der Strategie Personenverkehr bei der DB und den Strategiebereichen bei der SBB zugute.
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