Vom Büro zur Arbeitswelt der Zukunft.

Vom Büro zur Arbeitswelt der Zukunft.
26. September 2017, Stefan Holzinger

Vom Büro zur Arbeitswelt der Zukunft.

Seit rund drei Jahren wird in den Bürogebäuden der SBB im Multispace und mit Desksharing gearbeitet. Damit hat sich die SBB vom klassischen Büro, bei dem jeder an seinem eigenen Schreibtisch sitzt, verabschiedet.

Der Arbeitsplatz in meiner «Teambase» in einem SBB Bürogebäude ist allerdings nur eine Option. Ganz im Sinne von "work anywhere" können die Mitarbeitenden auch im Home Office oder in anderen SBB Büros arbeiten, was ihnen gleichzeitig erlaubt, die Hauptverkehrszeiten zu meiden. Oder von unterwegs, sei es in einem Co-Working-Space, in einem Café, im Park, im Zug, etc.

Der Wandel vom Büro mit persönlichem Arbeitstisch in eine räumlich und zeitlich flexible Arbeitsweise ist gut gelungen. Da sich die Arbeitswelt mit der zunehmenden Digitalisierung aber konstant verändert, wird das  Konzept Multispace jetzt weiterentwickelt. Wir können heute nicht vorhersagen, wie wir in einigen Jahren arbeiten werden, aber wir erwarten, dass die Arbeitswelt von morgen ganz  anders aussehen wird: Das erfordert heute schon neue Konzepte, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Future of Work – unsere «core beliefs»

Wir haben uns deshalb mit einem Zukunftsforscher zusammengesetzt und mögliche Szenarien zur Zukunft der Arbeitswelt entwickelt. Die Erkenntnisse haben wir in sogenannten «Core beliefs Future of Work» zusammengefasst.

  • Wir gehen davon aus, dass sich menschliche Arbeit überwiegend auf kreative Arbeit und soziale Interaktion fokussieren wird, während Routinetätigkeiten insbesondere im Büro zunehmend durch Formen von Artificial Intelligence übernommen werden.
  • Die Anforderungen der Mitarbeitenden an den Arbeitgeber werden sich verändern: Karrieren im herkömmlichen Sinn, mit einem stufenweisen Weg nach oben, werden individuellen Wegen Platz machen, auf denen selbstverantwortliche Arbeit sowie das Streben nach Sinn und Wirkung im Mittelpunkt stehen.
  • Im Rahmen der agilen Transformation wird die Führung neu definiert. Selbstorganisierte Teams werden noch stärker als heute eine tragende Rolle übernehmen und sich dabei an einer gemeinsamen Wertebasis der Unternehmung orientieren.
  • Auch wenn die Grenzen des Unternehmens offener werden und dessen innere Struktur dynamischer wird, bleibt der physische Ort (das Büro), an dem wir uns treffen und an dem wir zusammen arbeiten, bedeutsam.
  • Seine Bedeutung als Ort, an dem Innovation entsteht, wird zunehmen – trotz den Möglichkeiten zum "work anywhere". Warum? Weil Innovation und Teamwork nicht im luftleeren Raum stattfinden, Co-Creation erfordert auch physische Präsenz.
officesnapshots.com Amicus Amazym Bridge
Quelle: Officesnapshots.com

«Responsive Workplace»

Die Überlegungen zur Zukunft der Arbeitswelt sind in ein Konzept eingeflossen, das wir «Responsive Workplace» nennen. Wir verstehen darunter eine Arbeitsumgebung, die den künftigen Anforderungen durch agile Methoden, Innovation, individuellen Arbeitsweisen, Ergonomie und Kosteneffizienz noch besser gerecht wird. Die Motivation und Performance der Mitarbeitenden steht dabei im Mittelpunkt. Was das konkret bedeutet? Die Gestaltung und Ausstattung der Räume lässt sich leicht verändern, Räume "reagieren" auf unsere Bedürfnisse. Die Arbeitsumgebung inspiriert, fördert Kreativität sowie Problemlösefähigkeit und bietet vielfältige Möglichkeiten für projektbezogenes Arbeiten. Zudem bringt sie unsere Unternehmenskultur zum Ausdruck und stiftet Identität. Sie fördert Bewegung, Begegnung und verbindet Menschen zu einer Gemeinschaft.

Mitarbeitervorschläge sind Teil des neuen Konzepts

Das Involvieren der Mitarbeitenden und ihrer Vorschläge für die Arbeitswelt von morgen spielt eine wesentliche Rolle. Denn ihre Motivation trägt wesentlich zur Performance unseres Unternehmens bei. Beobachtungen und Rückmeldungen zur aktuellen Arbeitsumgebung in unseren Bürogebäuden zeigen: Standardarbeitsplätze sind schlecht ausgelastet, u.a. weil für ruhiges Arbeiten geeignete sogenannte «silent work areas» fehlen und weil Innovationsarbeit nicht am Standard-Arbeitsplatz stattfindet. Die aktuellen Wahlmöglichkeiten werden zwar begrüsst, aber Design und Ausstattung der Raummodule sind zu wenig variabel und multifunktional. Auch ein Mangel an Projektzonen und Werkstätten wurde  mitgeteilt. Vor allem unsere IT-Abteilung hat sich als wichtiger Treiber für den unternehmerischen Wandel herausgestellt und Impulse für die Veränderung von Arbeitsplätzen eingebracht. Viele dieser internen Anregungen und Verbesserungsvorschläge sind nun Teil des neuen Konzepts «Responsive Workplace», das weit mehr als nur ein anderer Name ist.

Quelle: Officesnapshots.com WeWork Moorgate
Quelle: Officesnapshots.com

Upgrades auch in bestehenden Gebäuden

«Responsive Workplace» wird nicht nur in den neuen SBB Gebäuden «Parc du simplon» in Renens und «Byte» in Bern-Wankdorf umgesetzt. Auch in den bestehenden Bürogebäuden werden in enger Abstimmung mit den Mitarbeitenden schrittweise Upgrades der Büroumgebung vorgenommen. Dazu sind keine grossen baulichen Veränderungen nötig, sondern eine bessere Anpassung der bestehenden Infrastrukturen an die konkreten Bedürfnisse der Nutzer.  Unsere Teams verlangen Platz, um ihre Ideen, Entwürfe und Arbeitsergebnisse für alle sichtbar und zugänglich zu machen. Mehr Flächen für Visualisierungen heisst: Beschreibbare Wände, Stellwände, die auch als mobile Raumtrenner funktionieren, beschreibbare Tische, interaktive Monitore, etc. Auch im Konzept ohne persönliche Arbeitsplätze soll ein "individueller Touch" am Arbeitsplatz möglich sein. Teams sollen Räume vorfinden, die sie zwar mit anderen teilen, die aber auch erlauben, als Team einen gestalterischen Akzent zu setzen. Räume sollen generell multifunktionaler werden: Teeküche war gestern. Morgen wollen wir Flächen, die zur Begegnung und zum Wissensaustausch einladen. Und last but not least werden wir Abschied nehmen von "one size fits all" beim Arbeitsplatz. Neu werden Zonen mit unterschiedlichen funktionalen und gestalterischen Qualitäten geschaffen: "silent work area" - komfortable Zonen für ungestörtes, stilles Arbeiten, "kurz & bündig" - Arbeitsorte mit reduzierter Ausstattung für kürzere Sequenzen sowie "all inclusive" - der voll ausgestattete Arbeitsplatz für längere Phasen mit Kommunikationsbedarf am Arbeitsplatz.

Wir sind überzeugt, mit dem «Responsive Workplace» unserer Zeit ein Stück voraus zu sein. Wir planen heute für die Zukunft damit wir morgen nicht in Konzepten von gestern arbeiten.

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Stefan Holzinger
Stefan Holzinger
Stefan Holzinger MRICS ist Geograf und Immobilienökonom. Er leitet seit 2009 das Portfolio Bahnproduktion im Portfoliomanagement von SBB Immobilien. Stefan Holzinger bloggt zu Trends im Corporate Real Estate Management und berichtet über innovative Lösungsansätze im Workplace Management.
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