Ein Blick in die smarte Schweiz von morgen.

Ein Blick in die smarte Schweiz von morgen.
17. September 2019, Philippe Stadler Benz im Gespräch mit Karl Gutbrod und Olivier Ferilli

Ein Blick in die smarte Schweiz von morgen.

Vor rund vier Monaten haben die SBB und der Kanton Basel-Stadt das Smart City Lab Basel eröffnet. Mittlerweile sind 17 Partnerinnen und Partner im Lab aktiv. Zwei davon sind meteoblue und die Basler Energie-, Trinkwasser- und Telekomversorgerin IWB. Wieso diese beiden Unternehmen im Smart City Lab Basel mitwirken, welche Projekte sie dort verfolgen und worin sie den Mehrwert der Arbeit im Lab sehen, darüber habe ich mit Olivier Ferilli, Leiter Innovation bei IWB und Karl Gutbrod, CEO von meteoblue gesprochen.

Seit wann sind Sie im Smart City Lab Basel aktiv und welche Projekte verfolgen Sie dort?

Olivier Ferilli: IWB ist seit dem offiziellen Start im April 2019 Partner des Smart City Labs Basel. Wir arbeiten am Projekt «Echtzeit Energie Monitoring und Visualisierung». Damit möchten wir unsere Produkte und die Energieflüsse, die normalerweise unsichtbar sind, visualisieren und erlebbar machen. Dazu werden Energiedaten mittels Sensoren auf dem Areal erhoben und in Echtzeit online visualisiert und öffentlich zugänglich gemacht. In einem zweiten Schritt sollen die Daten mittels neuer Technologien wie Augmented Reality oder 4D visualisiert und für den Aufbau eines Digitalen Zwillings genutzt werden. So entsteht ein energetischer Fingerabdruck des Areal Wolf, mit dem wir das «Unsichtbare» sichtbar und erlebbar machen

Karl Gutbrod: Seit Juli 2019 ist meteoblue im Smart City Lab Basel aktiv. Wir haben dort ein Wettersensor-Messnetz installiert. Dieses dient der Stadtklima-Messung und -Vorhersage. Unser Ziel ist die Ermittlung von Temperaturunterschieden zwischen offiziellen Wetterstationen und Innenstadt-Messungen sowie von räumlicher und zeitlicher Verteilung von Hitzeinseln. Zusätzlich möchten wir die Ursachen verstehen, welche Hitzeinseln verstärken und Massnahmen zur Reduktion dieser Hitzeinseln auf ihre Wirksamkeit prüfen.

Wieso wählten Sie das Smart City Lab für Ihre Projekte?

Karl Gutbrod: Dafür gibt es drei gute Gründe: Erstens hat Basel eine sehr variable Topographie mit unterschiedlichen Mikro-Klimata, was für unsere Messung sehr spannend ist. Zweitens arbeiten im Lab sehr unterschiedliche und interessante Partner zusammen, wovon wir sicherlich profitieren können. Und drittens haben wir unseren Hauptsitz in Basel, was uns eine intensive Betreuung des Projektes erlaubt.

Olivier Ferilli: Das Lab ist eine Art geschützte Umgebung, ein Treibhaus für Ideen und Pilotprojekte. Wir möchten unsere neuen Ideen schnell testen und daraus lernen, um Produkte kundenfokussiert zu entwickeln. Zudem lernen hier alle Partner und Beteiligten gemeinsam Neues zu entwickeln. Dies ist ein Mehrwert für alle. Wenn es gelingt, die Partizipation der Bewohnerinnen und Bewohner sowie des Kleingewerbes von Basel zu steigern, wäre dies ein zusätzlicher Gewinn.

Haben Sie Schnittstellen zueinander oder zu anderen Partnern im Lab?

Olivier Ferilli: Im Rahmen unseres Projekts möchten wir alle Energieflüsse auf dem Areal erheben, aber auch die energetischen Einflussfaktoren wie Luftfeuchtigkeit, Regen, Wind oder Temperaturen messen und visualisieren. Als ich vom Vorhaben von meteoblue gehört habe, war eine Zusammenarbeit sehr naheliegend. Sie brauchen so schnell wie möglich viele Daten grosser Städte, damit sie ihr Städtemodell entwickeln können. Wir können die Sensoren auf dem Areal dank unserem IWB LoRaWan, dem Long Range Wide Area Netzwerk, schnell vernetzen und meteoblue die Daten zur Verfügung stellen. Wir nutzen die gemessenen Daten auch für unser eigenes Projekt. Somit ist eine Win-Win Partnerschaft entstanden. Weitere gemeinsame Pläne sind bereits am Entstehen.

Karl Gutbrod: Genau, wir nutzen das LoRAWan Netzwerk für die laufende Datenübertragung. Ansonsten arbeiten wir noch mit keinem anderen Partner aktiv zusammen. Dafür sind zwei Monate auch noch zu kurz, doch ich bin sicher, weitere Partnerschaften werden sich mit der Zeit automatisch ergeben.

Meteoblue

 

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Karl Gutbrod
Karl Gutbrod
Dr. Karl G. Gutbrod ist Geschäftsführer der meteoblue AG, einem Schweizer Spezialisten für Wetterdaten, der in zwölf Jahren vom Start-up zum Lieferanten für Kunden in über fünfzig Ländern gewachsen ist. Karl Gutbrod hat an der Universität Göttingen in Agrarwissenschaft promoviert. Neben seiner Tätigkeit für meteoblue unterrichtet er als Gastdozent im Bereich Wirtschaft an der Berufsakademie Lörrach.
Olivier Ferilli
Olivier Ferilli
Olivier Ferilli leitet das Innovationsmanagement und koordiniert die Smart City-Aktivitäten der Industriellen Werke Basel (IWB) im Smart City Lab Basel. Er ist Elektrotechnik-Ingenieur FH und verfügt über eine fundierte Weiterbildung in Betriebswirtschaft und Innovation. Seine Stärken, so wie sein Fokus liegen im Befähigen und Ermöglichen von Neuem. Sein Motto ist «It’s all there», das Potential schlummert in jedem Menschen, in jeder Firma, man muss es nur entfalten.

interviewt von

Philippe Stadler Benz
Philippe Stadler Benz
Philippe Stadler Benz ist Senior Projektleiter im Bereich Smart City bei der SBB. Der studierte Umweltnaturwissenschaftler ETH verfügt über eine Weiterbildung in Policy und Betriebswirtschaft. Sein Fokus und seine Stärke liegen in der Gestaltung und Umsetzung von Strategien unter der Anwendung neuer Technologien.
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